Karnevalsbräche in Blankenheim

Das mit mittelalterlichen Baudenkmälern geschmückte Blankenheim an der Quelle der Ahr kann sich rühmen, jahrhunderte altes Karnevalsbrauchtum in guter Tradition und Lebendigkeit zu bewahren. Es ist hier herkömmliches Brauchtum zur Fasenaach, daß alljährlich am Samstagabend mit großer Beteiligung und unter den Klängen des rhythmisch und melodisch lookende, eigenartigen Juh-Jah-Marches, der Geisterzug losspringt, um als wirbelnder Tanz der Frühlingsgeister die finsteren, griesgrämigen Winterdämonen zu vertreiben. An der Spitze des Zugen springen die beiden "Jecke Böhnchen" in ihrem immer wieder begeisternden Tanzschritt. Es folgt der für die tollen Tage gewählte Karnevalsprinz als Obergeist mit Flügeln, hoch zu Roß.

Genau wie die Geister im Zuggefolge ist der Obergeist in weiße Bettlaken gehüllt, deren Zipfel im Überschlag des Lakens auf dem Kopf mit Papier zu zwei Hörnern gebunden sind. Um den Hals und den Bauch ist das Geisterkostüm verschnürt, so daß es beim Springen nach rechts und links während des Geisterzuges festsitzt. Die Geister tanzen mit brennenden Pechfakeln durch die dunklen Gassen und Straßen des Burgtales. Durch bengalische Beleuchtung sind Burgmassiv und Stadttore in farbige Brände getaucht. Das Ganze bietet ein gespenstisches Bild. Das schrille Kreischen und Jolen der Geisterschar, die zum Klange des Juh-Jah-Marsches reihenweise versetzt springt, fährt allen Zuschauern dieses einmaligen Spektakel durch Mark und Bein. Um Griesgram und Muckertum, aber auch die letzten bösen Geister und Dämonen aus den finsteren Ecken herauszufegen und zu vertreiben, springen Hexen mit ihrem Besen und ein Teufel mit seinem Dreizack überall im Geisterzug umher. Es gilt der bösen Geister Herr zu werden: dazu dienen die weißen Geisterkostüme und das fürchterliche Aussehen der Hexen und des Teufels.

Erst am nächsten Vormittag, dem Karnevalssonntag, wird er im Karnevalsomat feierlich zum Prinzen Karneval proklamiert und erhält neben dem Narrenzepter vom Bürgermeister den Stadtschlüssel überreicht.

Die "Jecke Böhnchen"

Die Jecke Böhnchen sind im Blankenheimer Karneval nicht nur Traditionsfiguren sondern auch eine die Leitfiguren. Es ist ihre Aufgabe, als "Vorspringer" den Karnevalszügen voraufzuspringen. Sie tun das in einem kurzen Tanz-Wechselschritt nach dem sogenannten Jecke-Böhnchen-Marsch: "Juh-Jah Kribbel in d'r Botz! Wer dat net hät, dä es nix notz!"

Dabei streben sind zuerst auseinander, tanzen wieder aufeinander zu, kreuzen beim Begegnen ihre Säbel und springen tanzend wieder voneinander fort. Blankenheim, so berichtet die Überlieferung, hat immer zwei Jecke Böhnchen gehabt. Sie sind nicht als Spaßmacher aufgetreten, wie z. B. des "Gecken Berndchen" u. ä. seit dem Ausgang des Mittelalters. Sie waren von jeher Zugordner. Die Blankenheimer Jecke Böhnchen sind auch kostümgeschichtlich interessant. Sie überliefern uns in ihrer farbenfreudigen Aufmachung einen Abglanz der Männertracht aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, des Dreißigjährigen Krieges und damit der Gründungszeit der Jungen-Mannschafts-Companie von 1613.

Et Schellebäumche

Et Schellebäumche ist für die Blankenheimer Fastnacht charakteristisch. In der Woche vor Fastnachssonntag zieht es allabendlich durch die Straßen und Gassen des dunklen Burgfleckens, um die "Blangemer" zur Fastnacht wach- und aufzurufen. Früher benutzten die Blankenheimer einen ausgedienten Weihnachtsbaum mit Glocken und Schellen behangen. Heute hat sich das Schellebäumche etwas verbessert. Der Träger begleitet durch kräftiges Rucken im Takt die von der "Kapelle" gespielten Karnevalslieder. Vor allem ist dies der Juh-Jah Marsch. Zur "Kapelle" gehören mindestens ein Trommler und ein Flötist. Sobald "Et Schellebäumche" geht und so mit klingendem Spiel die Fastnacht ankündigt, beginnt in den Häusern und Stuben der Fastnachtsjecken ein emsiges Vorbereiten auf die tollen Tage. Dir letzte Schliff wird ans Kostüm gelegt, die letzte jecke, tolle Idee noch verwirklicht.

Die Eiersammler

Im Jahre 1613 gründete der Landsherr, Graf Arnold II. von Blankenheim, unter der Führung eines Hauptmannes die Junge-Mannschaft-Companie und überreichte eine Fahne mit dem Auftrag, die städtischen Feste höfisch zu gestalten. Diese Junge-Mannschafts-Companie ist mit dem heutigen Junggesellenverein nur in etwa zu vergleichen. Sie hatte sich auf für das Durchführen und Erhalten des schönen alten Fastnachtsbrauchtums einzusetzen. Zur Blankenheimer Fastnachtsüberlieferung gehört, daß zum Zweck des Durchführens und Gestaltens der "Mummereyen, Masqueraden, Tantzereyen und Vastavend" (Fastnacht) schon vor den Karnevalstagen bei den Bürgern Blankenheims gesammelt wurde. Mit dem nachfolgenden Heische- oder Sammlerlied zogen und ziehen sie damals wie heute am Aschermittwoch durch das Burgstädtchen von Haus zu Haus und singen:

Die Fastnacht ist verschwunden, was uns so sehr betrübt.
Sie hat uns überwunden, drum bleiben wir zurück.
Drum bitten wir um eine Steuer,
nur kein Wasser und kein Feuer.
E' joht Stöck Speck - e' Ei of vier, e' klei, klei Bier.

Danach gehen die Eiersammler weiter und singen:

Dem Spender dieser Gabe hier sei unser Dank gebracht
Er lebe glücklich für und für, bis an des Grabes Nacht.

Die Kaisergarde

Seit mehr als drei Jahrzehnten schaltet sich die Freiwillige Feuerwehr immer mehr in das traditionsreiche Karnevalsgeschehen von Blankenheim ein. Beim Geisterzug sorgt sie für die bengalische Beleuchtung der Burg, der Tore und der Statue des hl. Johannes Nepomukes nahe der Ahr. Zu den Karnevalszügen hilft die Freiwillige Feuerwehr der Polizei beim Umlenken des Verkehrs. Sie versorgt die Zuschauer aus Ihrer Gulaschkanone mit kräftigen und schmackhaften Suppen.

Nach Vorbild eines kaiserlichen Garderegiments gründete man im Jahre 1962 in Blankenheim eine Kaisergarde. Die Gardeuniform wurde nach alten Bildern geschneidert.

So ist die Freiwillige Feuerwehr als Kaisergarde zur Verschönerung des Karnevals und zur Freude aller Jecken seit 1962 im Einsatz.

Vor Jahren gründete Günter Wutgen innerhalb der Kaisergarde ein Fanfarenzug. Dieser erweiterte sich inzwischen zu einem Musikzug der Kaisergarde.

Obergeist
Teufel und Hexe
Jecke Böhnchen
Et Schellebäumche
Kaisergardist
Eiersammler


zurück


Besuchen Sie den Sponsor dieser Seiten

Ihr Partner in Sachen Computer, Telekommunikation und Internet